Das AdA-Treffen 2012 fimdet 2012 im Waldhotel "Peter auf'm Berge", Bergstraße 45, 3619 Bielefeld, Tel. 0521/91126-0, statt. Ein beschränktes Zimmerkontingent (8 EZ, 4 DZ, 1 App. für 4 Personen) steht im Hause zur Verfügung (EZ mF € 30, DZ mF € 45, App. auf Anfrage). Parkplätze links vom Haus.
Reservierungswünsche bitte ausschließlch über Heinz-Ulrich Kammeier, Am Gottesberg 22, 33619 Bielefeld, Tel. 0521/1641379, Mail hukammeier@aol.com!
Die 1986 zunächst als freie Sammlervereinigung entstandene Arbeitsgemeinschaft
der Autographensammler wurde 1992 in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins
gegründet. Sie ist seitdem als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenquittungen
ausstellen. Sitz und Gerichtsstand ist Münster.
Kurzporträt und Ziele
Seit April des Jahres 1986 gibt es
die „Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler (AdA)“; im Juli 1993 wurde die
„AdA“ dann ein eingetragener Verein, der als gemeinnützig anerkannt wurde.
Das Sammeln von Autographen und
Autogrammen ist das wichtigste Thema der Arbeitsgemeinschaft. Ausgeprägtes
Interesse an Unterschriften verbindet ihre Mitglieder.
Die Vereinigung will Kontakte
unter Autogramm- und Autographensammlern pflegen, um u.a. Handschriften
bedeutender Persönlichkeiten und deren Inhalte zu vermitteln und zu erhalten.
Die AdA informiert ihre Mitglieder über aktuelle Auktionsergebnisse, über Messen
und Börsen und gibt Tipps zur Erkennung von Falschsignaturen/ Autopens
etc.
Die Sammelgebiete sind weit
gefächert, je nach Geschmack und Interesse des Sammlers. Der Schwerpunkt der
Interessen erstreckt sich über Manuskripte, Briefe, Urkunden bis hin zu
signierten Photos, Ersttagsbriefen, Karikaturen und Autogrammkarten. Dabei sind
alle Gebiete vertreten: Geschichte, Politik, Film undFernsehen,
Raumfahrt, Popmusik und vieles mehr.
Vielfalt und Toleranz sind
Prinzipien der AdA. Sie besitzt ein weites Spektrum des Sammelns, bietet aber
kein ungeordnetes Allerlei.
Grundsatz-Artikel zum
Autographensammeln
Der Vorstand der „AdA“ 1987 hat einen
"Grundsatz-Artikel zum Autographensammeln" erstellt, in dem alle wichtigen
Fakten berücksichtigt werden. Dieser Artikel ist sicher außerordentlich
umfangreich; er soll aber auch als Angebot verstanden werden, nur über
ausgewählte Teilbereiche zu berichten und informieren. Dieser Text - auf
Anforderung können vom AdA Ehrenvorsitzenden Romanus Krick (Davensberger Straße
16, 48163 Münster; Telefon und Fax 0251/785143) gerne auch Fotos und/oder
Fotokopien von Autographen und Signaturen zugeschickt werden - eignet sich
insbesondere für die Wochenendbeilagen von Regionalzeitungen.
Dieser Artikel wurde verfasst vom
mittlerweile verstorbenen Gründungs- und früheren Vorstandsmitglied der „AdA“,
Peter Michielsen (Utrecht, Niederlande); einige Ergänzungen zum Anfang des
Textes stammen von Romanus Krick („AdA“-Vorsitzender von 1986 bis 1999 und ihr
Gründungsmitglied).
Weitere Detail-Informationen zur
„AdA“ sind beim 2. Vorsitzenden Dr. Heinz-Ulrich Kammeier (Am Gottesberg 22,
33619 Bielefeld, Telefon 0521/1641379) erhältlich.
Autographen und Signaturen
produzieren und provozieren Geschichte! Dies hat sich auf vielfältige Art und
Weise oftmals erwiesen. Manuskripte von Nobelpreisträgern können bahnbrechende
wissenschaftliche Erkenntnisse zum Inhalt haben; Rede-Manuskripte lösen mitunter
kontroverse Diskussionen aus. Besonders in der Tagespolitik ist nachhaltig die
Unterschrift geschichtsrelevant. Die Wiedervereinigung Deutschlands, der
Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa oder die Auflösung des Warschauer
Paktes - all das ist letztlich erst durch die Leistung von
Politiker-Unterschriften bewirkt worden! Besonderen historischen Wert dürften z.
B. auch die beiden Signaturen haben, die am 9. und 10. September 1993 Yassir
Arafat und Yitzhak Rabin in Washington unter die Nahost-Friedensverträge
setzten. Völlig "unpolitische" Unterschriften wurden dagegen am 29.Juli 1987 von
Frankreichs Präsident Francois Mitterand und Großbritanniens Premierministerin
Margret Thatcher geschrieben: erst durch ihre beiden Unterschriften wurde das
gigantische Projekt der Untertunnelung des Ärmelkanals endgültig in die Wege
geleitet, am 11.Dezember 1993 fand die feierliche Eröffnungs-Zeremonie dann
statt.
George Bernard Shaw hasste
Autogrammjäger: “The habit of asking people for autographs is pardonable in a
sehr junges Mädchen. In a fall blown Frau it is inexcusable“ („Die Gewohnheit,
Leuten ein Autogramm abzujagen, ist verzeihbar für ein sehr junges Mädchen,
unverzeihlich aber für eine vollausgewachsene Frau“), schrieb er einmal einer
Deutschen. Ein Geistlicher auf dem Lande, der gelesen hatte, dass sich Shaws
Kaffee gut trinken ließ und ihn um das Rezept bat, bekam es mit seiner kurzen
Notiz: „Ich hoffe, dass dies eine authentische Bitte ist und kein hinterhältiger
Trick, um mein Autograph zu bekommen“. Der Pfarrer schrieb zurück: „Ich bedanke
mich für das Rezept. Ich habe Ihnen in gutem Vertrauen geschrieben. Gestatten
Sie mir also, Ihnen zurückzuschicken, was für Sie offenbar unbezahlbar für mich
jedoch wertlos ist: Ihr Autograph!“
Autographensammler können Prominenten
das Leben ganz schön schwer machen und manche Sportler, Politiker und Künstler
haben darauf ihre eigene Antwort gefunden: gedruckte Absagen,
Sekretärinnen-Signaturen, Stempel, Maschinen-Unterschriften („Autopens“).
Zuweilen hilft hier nur Einfallsreichtum weiter. Ein amerikanischer Pfarrer
namens Greenway z.B. hatte die Gewohnheit, Berühmtheiten einen Scheck für einen
kleinen Beitrag zuzuschicken, den diese dann unterschrieben und der durch die
Bank wieder bei Greenway landete. Ein überaus unternehmungslustiger Landsmann
von ihm, ein gewisser Colbert, bekam Dutzende von interessanten Briefen von
berühmten Leuten, denen er geschrieben hatte, sein neugeborenes Kind nach ihnen
benannt zu haben. Die Sache flog auf, als sich Yassir Arafat mit dieser
Mitteilung stolz an die Presse wandte und sich dann schnell herausstellte, dass
es einen Arafat Colbert überhaupt nicht gab.
Autographensammler werden von der
Außenwelt oft auf das Niveau aufdringlicher Autogrammjäger eingestuft, die
Fußballfelder stürmen., um Spielern einen hastigen Kritzel zu entlocken oder die
sich in Restaurants an den zufällig anwesenden Sänger heranmachen mit der
Menükarte in der Hand und der „ewigen“ Ausrede, dass „mein Sohn Unterschriften
sammelt“. Dabei wird von manchen Schriftenliebhabern sogar nicht einmal eine
einfache Unterschrift als Autograph betrachtet, obwohl sie es selbstverständlich
dem Buchstaben nach ist, denn das Wort Autograph heißt: Selbstgeschriebenes. Ray
Rawlings, viele Jahre später Verfasser des „Guinness Book Of Autographs“, wurde
dies peinlich deutlich, als er als Schüler dem Herzog von Derbyshire
gegenüberstand und ihn um „an autograph“ bat. Der verstörte Herzog nahm sein
Buch und schrieb: „Du bist sehr lästig.“ Schuljunge Ray musste ganz dringend
bitten, um den Herzog soweit zu bringen, unter diesen Satz auch noch die
Unterschrift zu schreiben, um dies es ihm eigentlich gegangen war.
Nur Unterschriften sind für den
wahren Filographen - die Filographie ist das Sammeln und Studieren von
Autographen - wenig wertvoll, weil sie eben sehr wenig deutlich machen. Eine
Unterschrift besagt an sich lediglich, dass jemand schreiben kann. Für viele
Autographensammler sind sogar signierte Porträts keine Autographen. Nur das
signierte Schriftstück, der Brief, das Dokument, die Notiz, das Manuskript etc.
ist für sie ein sammelwürdiges Autograph.
Das Autographensammeln wird nicht
erst in unserer Zeit praktiziert. Schon Cicero war stolz auf einen Brief von
Cäsar und Plinius d.Ä. hatte eine große Sammlung von Manuskripten berühmter
Personen seiner Zeit. Diese Autographen gibt es natürlich nicht mehr. Die
ältesten noch existierenden Schriftstücke bedeutender Persönlichkeiten sind jene
der alten karolingischen und merowingischen Könige, die meist Analphabeten waren
und mit einem Signum unterzeichneten; dazu die des Propheten Mohammed, des
britischen Wikingerkönigs Knut und von Wilhelm dem Eroberer.
Auch die Filographie gibt es schon
seit Jahrhunderten. Sie entstand spätestens, als Diplomaten und Historiker
anfingen, Autographen ihres Inhalts wegen aufzubewahren. So wäre mancher Teil
der Geschichte nicht oder anders überliefert, wenn nicht im 16. und 17.
Jahrhundert Dokumente nicht nur in Archiven, sondern auch von Privatpersonen
aufbewahrt worden wären. Es war jedoch mehr nötig, um aus dieser
wissenschaftlichen Arbeit eine Liebhaberei zu machen. Es ist wohl dieses gewisse
Extra, das Gefühl der Faszination, das man hat, wenn man einen Brief einer
längst verstorbenen Berühmtheit in der Hand hält. Die Vorstellung, dass es den
Schreiber wirklich gegeben hat, einen Menschen aus Fleisch und Blut ? und nicht
mir ein abstrakter Name im Geschichtsbuch.
Viele bedeutende Personen der
Historie waren übrigens selbst Autographensammler, so etwa Königin Victoria,
Clemens Fürst Metternich, Kaiser Maximilian von Mexiko, Kaiser Friedrich III,
Franklin Roosevelt, John F. Kennedy, Edgar Allen Poe, Charles Darwin, Rudolf
Brockhaus, Johannes Brahms, Adolf Hitler oder Hermann Göring.
Einer der wichtigsten Filographen
dieses Jahrhunderts war der Schriftsteller Stefan Zweig, der in den
Handschriften „den irdischen Niederschlag“ der Gedankenwelt von
Kulturschaffenden suchte. 40 Jahre sammelte Zweig, das Resultat war eine
Riesensammlung, in der man alle Großen der letzten Jahrhunderte finden konnte:
Napoleon, Balzac, Nietzsche, Bach, Händel, Gluck, Chopin, Brahms, Haydn, Mozart,
Goethe, Freud, Rilke, Rolland, Marx, Kant, Schiller, Dostojewski etc. Als Zweig
in der NS-Zeit Österreich. verlassen musste, schenkte er einen Teil seiner
Kollektion dem Wiener Nationalmuseum. Einiges verkaufte er im Exil, der Rest
wurde von den Erben dem Britischen Museum geschenkt: noch immer eine
Millionen-Sammlung! An Stefan Zweig als Sammler erinnern oft noch seine im
Handel angebotenen Briefe an den Pariser Autographenhändler Charavay, dessen
Firma es nach wie vor gibt.
Ein großer Autographensammler war
auch Johann Wolfgang von Goethe. „Ich habe seit einiger Zeit eine Sammlung
sogenannter Autographen angelegt, dass ich nämlich suche und wünsche, von
bedeutenden Männern der gegenwärtigen und vergangenen Zeit ein eigenhändig
Geschriebenes zu erhalten und zu besitzen, besonders in dem löblich
pädagogischen Zweck, meinen Knaben durch diese sinnlichen Zeugnisse auf
bedeutende Männer der Gegenwart und Vergangenheit aufmerksamer zu machen, als es
die Jugend sonst wohl zu seyn pflegt“, so schrieb Goethe 1806 einem Freund.
Wenige Wochen später hieß es in seinem Brief an ihn: „Haben Sie doch ja die
Gefälligkeit, von Zeit zu Zeit an meine fromme Sammlung zu denken: denn fromm
ist doch wohl alles, was das Andenken würdiger Menschen zu erhalten und zu
erneuern strebt. Auch bloße Couverte und Namensunterschriften nehme ich sehr
gern auf“. Für Goethe waren Autographen interessant, weil sie „vorzügliche
Menschen durch ihre Handschrift auf eine magische Weise vergegenwärtigen“. „Das
Blatt, wo seine Hand geruht“, war für ihn - und ist wohl auch nach wie vor für
die meisten Sammler - ein wesentlicher Aspekt des Sammlercharmes.
Interessant ist die Preisexplosion
der letzten 20 Jahre in der Welt der Autographen, denn es gibt auch für diese
einen eigenen Markt. Manuskripte liegen oft, aber nicht immer, in fernen Ecken
von Archiven bei einer bestimmten Temperatur, wartend auf das Ende der Zeiten
und unerreichbar für Normalsterbliche. So aber ist es nicht. Viele Autographen
sind inzwischen in Privatbesitz und seit etwa 1830 wird mit ihnen gehandelt.
Auch früher waren Preisexplosionen
möglich. 1902 zahlte der Filograph und Millionär Pierpont Morgan 102.000
Goldmark für den berühmten Brief, den Martin Luther am 28.April 1521 an Kaiser
Karl V. schrieb. Er hätte das Schreiben auch für ein Viertel dieses Preises
haben können, wollte es aber Kaiser Wilhelm schenken und ließ den Preis
hochtreiben, um mit einer teuren Geste mehr Eindruck machen zu können. Er bekam
den Orden, um den es ihm eigentlich ging.
Heutzutage ist der Autographenhandel
bei etwa 100 Firmen in Westeuropa und den USA konzentriert. Der Privatsammler
steht in permanenter Konkurrenz mit oft kapitalkräftigen Archiven, Museen und
Bibliotheken. Obwohl in letzter Zeit solche Institutionen bei wichtigen
Auktionen immer häufiger von Privatsammlern finanziell überboten werden,
verschwindet doch sehr viel in Archiven, die solche Autographen nicht so bald
und meistens auch nicht freiwillig wieder veräußern. Mit anderen Worten: der
Markt wird kleiner und die Preise steigen. Dazu kommt, dass die Zahl der Sammler
stetig wächst und es mittlerweile auch Investoren gibt, die sich für Autographen
interessieren. Es gibt natürlich immer noch sehr viel Material im „freien
Verkehr“. Franz Liszt schrieb pro Jahr 2000 Briefe und lebte 75 Jahre. Von den
375 Briefen, die dagegen von Frederic Chopin bekannt sind, befinden sich nur
noch 35 in Privatbesitz.
Vor einigen Jahren erwischte in New
Orleans ein Lehrer einen Schüler, der in der Klasse etwas weiterreichte. Es
handelte sich zu seinem großen Erstaunen um einen Brief der Zarin Katharina
d.Gr., von der dieser Schüler zu Hause ein ganzes Kistchen an Briefen besaß. Sie
waren von einem seiner Ahnen gerettet worden, als dieser 1917 Russland verlassen
musste. Von William Shakespeare sind demgegenüber bisher nur sechs Autographen
bekannt geworden. Für das siebte, das vielleicht irgendwo auf einem englischen
Dachboden oder im Keller liegt und möglicherweise eines Tages auftaucht, wurde
schon einmal 1 Mio. Dollar geboten! Dabei ist Shakespeare weniger selten,
handschriftlich jedenfalls, als so manche andere Persönlichkeit der
abendländischen Kultur. Von Dante und Gutenberg etwa sind nie Autographen
aufgetaucht und von Jeanne d'Arc sind nur ihre zwei Briefe an die Bevölkerung
von Reims bekannt; sie war übrigens - wie so viele - Analphabetin, nur das J in
ihrem Namen ist authentisch. Auch von dem Maler Vermeer sind nur einige wenige
Unterschriften erhalten geblieben bzw. bekannt.
Dostojewski, Gogol, Vivaldi,
Rembrandt und Telemann sind in den letzten 120 Jahren weniger als 20 mal mit
ihren Handschriften in Handelskatalogen vertreten gewesen. Napoleon dagegen,
dessen Routine-Autograph vor zehn Jahren noch für weniger als 600 bis 700 DM zu
haben war und wofür mittlerweile oftmals 2000 DM oder mehr verlangt werden, hat
insgesamt weit mehr als eine Viertelmillionen Autographen hinterlassen. Napoleon
schrieb wie ein Haudegen: wenn er unterzeichnete, spritzte förmlich die Tinte.
Sein Schwiegervater, Kaiser Franz von Österreich, sagte später einmal: „Ich
wusste, dass es mit ihm schlecht enden würde; er schrieb wie ein Schurke“.
Manche Marschbefehle von Napoleon wurden nie richtig entziffert und es soll
einen General gegeben haben, der einen Brief von Napoleon für eine Karte des
Schlachtfeldes gehalten hat. Napoleon pflegte seine Briefe an insgesamt sechs
Sekretäre zu diktieren und die Schreiben dann mit viel Schwung zu signieren,
dabei sich selbst und seine Mitarbeiter befleckend. Eigentlich braucht ein
solcher Brief gar nicht so teuer zu sein, da es ja viele davon gibt. Trotzdem
ist ein derartiges Schriftstück viel teurer als noch vor einiger Zeit.
Das Alter von Handschriften ist nur
selten relevant für den Preis. Antiquarischen Wert hat ein Schriftstück an sich
erst, wenn es älter ist als 1400 oder 1450. Ein Routine-Brief der britischen
Königin Viktoria aus dem Jahre 1889 oder einer von König George III. von 1789
sind viele Male billiger als einer der Königin Elizabeth II. von 1989. Relevant
ist sogar nicht immer die Frage, ob der Verfasser eines Briefes allgemein
bekannt oder gar weltberühmt ist. Viele amerikanische Sammler z.B. konzentrieren
sich auf die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Bis auf einen
sind diese nicht selten. Diese Ausnahme heißt Button Gwinnett - wahrlich kein
sehr bekannter Mensch in der Weltgeschichte. Bis 1776 war er ziemlich unbekannt
und er verstarb kurz danach in einem Duell. Die Folge: Autographen von ihm sind
äußerst selten und - weil eben die Nachfrage groß ist - sehr teuer. Weniger als
fünfmal in einem Jahrhundert wurde ein Autograph von Gwinnett verkauft und dass
so ein Brief von ihm weit mehr als 100.000 DM kostet, braucht dann nicht mehr zu
verwundern.
Aus dem gleichen Grund ist die
Handschrift von Lee Harvey Oswald viel teurer als die des Mannes, den er
ermordete, nämlich Präsident John F. Kennedy. Dabei ist Kennedys Unterschrift
selbst die wohl teuerste eines USA?Präsidenten seit Abraham Lincoln, nicht nur,
weil Oswald ihn umbrachte, sondern auch, weil Kennedy mit Sicherheit nur sehr
wenig eigenhändig signiert hat. Ab Anfang der 50er Jahre hatte Kennedy
Sekretärinnen, die mit seinem Namen unterschrieben: Bilder, Briefe etc. Außerdem
verfügte er auch über den Autopen - eine Maschine, die Unterschriften oder
Anderes schreibt und dieses bis zu 3000 mal pro Tag, wenn es sein musste. Solche
Unterschriften, ganz sauber mit Tinte produziert, sind erst dann als maschinell
zu entlarven, wenn mehrere Exemplare nebeneinander gelegt werden können und sie
sich dann als völlig identisch erweisen. Denn es ist immer noch ein großer Trost
für Autographensammler, dass Menschen es nicht fertig bringen, mit der Hand zwei
Millimeter genaue gleiche Unterschriften aufs Papier zu setzen. US-Präsident
Jimmy Carter machte es übrigens noch „bunter“ als John F. Kennedy: seine
Sekretärin Susan Clough signierte nicht nur Briefe und Bilder mit seinem Namen,
sondern sogar Gesetze, Verträge sowie (für Staatsarchive oder ausländische
Staatsmänner bestimmte) Dokumente. Mit Recht wurde und wird diese Praxis von
Autographensammlern als ein „filographisches Watergate“ bezeichnet!
Dass viel beschäftigte Staatsmänner
oder Monarchen technische Hilfsmittel bzw. Sekretäre benutzen, die in ihrem
Namen signieren, ist übrigens gar nicht so neu. Französische Könige etwa
benutzten nicht nur Stahlstempel, sondern noch wesentlich wichtiger waren, die
"secretaires de la main", eine Art offizielle Fälscher, die das taten, wofür
andere geköpft wurden: sie fälschten den Namen des Monarchen auf offiziellen
Dokumenten, sie schrieben manchmal sogar auch Briefe an Verwandte des Königs und
an anderen Fürsten und sie signierten sogar Zahlungsbefehle. Manchmal, so etwa
unter Ludwig XV., geschah dies so intensiv, dass die Schatzkanzler die nicht
authentische Unterschrift des "Louis" nicht mehr anerkannten und sich weigerten,
auszuzahlen. Der König musste deshalb die Louis?Signatur seines Sekretärs
nochmals mit seiner eigenen Unterschrift bestätigen und schrieb "gut Ludwig"
oder "zahle Ludwig" dazu. Für die Sammler von heute, die manchmal Probleme mit
den falschen Ludwig Unterschriften haben, ist eine zweite Signatur eine Garantie
für die Authentizität. Nur Ludwig XVI. hatte keinen "secretaire de la main",
seine Unterschrift war derart ausgefallen, dass kein Sekretär es vermochte, sie
überzeugend nachzuahmen.
In jüngster Zeit dienen Autographen
sogar oft als Staatsgeschenke. Als Bundeskanzler Willy Brandt erstmals nach
Moskau flog, hatte er für Generalsekretär Leonid Breschnew eine Briefkarte von
Lenin im Gepäck. Und der französische Staatspräsident Giscard d'Estaing schenkte
seinem sowjetischen Gastgeber Leonid Breschnew einmal einen Brief von Tolstoj.
Auch die eigenen Autographen werden unter Staatsmännern durchaus verschenkt. Die
niederländischen Königinnen Juliana und Beatrix z.B. beschränken die Verteilung
ihrer Handschriften auf die eigenen, also nur majestätischen Kreise. Nur
Staatschefs, die empfangen oder besucht werden, erhalten ein signiertes Bild und
sonst niemand; auch kein seriöser Sammler. Es sei denn, dieser hätte das große
Glück, zum königlichen Freundeskreis zu gehören. Dennoch tauchen derartige
Autographen manchmal auf. Denn: es gibt immer noch Präsidenten (besonders ist
hier Südamerika zu nennen!), die offizielle Dokumente oder
Akkreditierungsschreiben als ihr persönliches Eigentum mit nach Hause nehmen,
wenn sie aus ihrem Amt ausscheiden, abgesetzt oder abgewählt werden. Mitunter
finden dann solche Korrespondenzen mit wahrlich königlichen Signaturen nach
deren Ableben manchmal den Weg zum Autographenmarkt. Auf diese Weise kann man
sich also zuweilen sehr wohl kostbare Unterschriften beschaffen!
Von den Großen der Erde stehen
Komponisten bei Autographensammlern am höchsten im Kurs, wohl weil ihre Kunst
für alle Menschen jeder Epoche und Kultur verständlich und zugänglich, eine
Universalkunst ist. Von den bekanntesten klassischen Komponisten aus dem 17. bis
19. Jahrhundert sind für Durchschnittssammler nur diejenigen erreichbar, die
sehr viel geschrieben haben; also Komponisten wie Liszt und Gounod, Massenet und
Saint-Saens. Mit großem Abstand folgen dann die bildenden Künstler: Maler,
Bildhauer, Graphiker; die Prominenten der Literatur und die der Wissenschaft:
Nobelpreisträger, Erfinder, Entdeckungsreisende etc. sowie die großen
Schauspieler. Erst weit nach diesen Kategorien folgen die Staatsmänner und
Politiker, die gekrönten Häupter sowie die großen Namen der Geschichte. Es ist
klar, dass Autographensammler sich vor allem von kreativen Geistern und
Kulturschaffenden angezogen fühlen. Andersartiger Ruhm ist dagegen eher flüchtig
und nichts ist flüchtiger, abgesehen von wenigen Ausnahmen, als der Ruhm etwa
von Sportlern oder Showstars!
Die großen Schurken und Ganoven, die
Abenteurer und Revolutionäre - filographisch ist dies alles aufgrund des damit
verbundenen Mysteriösen vergleichbar - genießen einen hohen Stellenwert in
vielen Sammlungen, eben weil Intrigen, Revolutionen und auch das Böse an sich
den Menschen faszinieren. Rasputin und Hitler, Manson und Idi Amin, Goebbels,
Saddam Hussein oder Pol Pot stehen gewöhnlich oben auf der Wunschliste. Auch
Massenmörder sind bei manchen Sammlern gefragt. Das Dokument, das der
französische Revolutionär Marat im Bad las, als Charlotte Corday ihn erstach,
gehört - blutbefleckt wie es ist - zu den großen historischen Schätzen
Frankreichs.
Ebenso kostbar ist jenes
Schriftstück, das Robespierre las, als ihm ins Gesicht geschossen wurde. Auch
Jesse James und Billy the Kid sind unbezahlbar. Lenin und Mao sind es ebenso,
denn sie gehören nicht mehr in die Reihen der Politiker, sie haben Revolutionen
gemacht, Macht ergriffen, Weltgeschichte geschrieben. Und kaum einer ist teurer
als Stalins Signatur. Aber der Markt ist sehr verletzlich. Manches wird
gefunden, aber Vieles geht auch für immer verloren: bei Bränden und
Überschwemmungen, durch menschliches Versagen bei der Aufbewahrung alter
Dokumente oder bei Kriegen und Revolutionen. Aber auch durch menschliches
Eingreifen; Schillers Erben beispielsweise haben die noch verfügbaren
Manuskripte zerschnitten und die Papierfetzen an Sammler verteilt, eine Art
Vandalismus, von dem damals aber niemand als Schande sprach. Ebenso wenig wie
bei Goethes Praktiken: dieser bat ohne weiteres einen befreundeten Minister „von
allen wichtigen Dokumenten aus den herzöglichen Archiven die Unterschriften
abzuschneiden oder abzutrennen“ - für seine eigene Autographensammlung.
Neben einer beschränkten Zahl von Autographen steht eine beschränkte Zahl
von Sammlern. Die größte Angst vor Auktionshäusern oder Autographenhändlern ist
der millionenschwere Ölscheich, der den Investitionswert von Autographen
entdeckt. So einen hat es bisher jedoch (noch) nicht gegeben und auch Ölscheichs
sind heutzutage oftmals knapp bei Kasse. Schließlich: beim Autographensammeln
spielen mehr das Geld und der Geschäftsinstinkt allein eine Rolle. Und zwar die
Emotion und Entdeckung, dass die Großen der Geschichte, die Feldherren und
Könige, deren Namen wir alle kennen, eben auch Menschen aus Fleisch und Blut
gewesen sind, dass die großen Komponisten und Lyriker auch lange versucht,
gestrichen und erneut angefangen haben, bevor ihre bekannten Werke zustande
kamen. Götter werden menschlich oder waren es zu ihrer Zeit. Dabei braucht man
als Sammler allerdings nicht so weit gehen wie etwa Eduard Mörike, der selbst
auch intensiver Sammler war; jener bewahrte sich Manuskripte des Malers Eberhard
von Wächter doch tatsächlich als Talisman und Amulett "gegen mögliche Influenzen
und Grillen" auf.
